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Die Anleihe

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Als Anleihe bezeichnet man Wertpapiere, die in Divergenz zu den Aktien, keine Anteile als solches beurkunden, sondern lediglich einen Rückzahlungsanspruch sowie Entgelt bei der Überlassung von Kapital beurkunden. Während Kreditnehmer im Verborgenen bleiben, werden Besitzer von Anleihen öffentlich bekannt gegeben. Sie unterscheiden sich von Krediten auch durch abweichende Konditionen wie zum Beispiel unterschiedliche Laufzeiten, den Währungen, in denen sie erworben und zurückgezahlt werden, sowie der Art der vom Schuldner zu erbringenden Verzinsung.

Was ist eine Anleihe?

Die Funktionsweise der Anleihe als Schema

Infografik: Die Funktionsweise der Anleihe. Grafikquelle: Eigene Darstellung

Je nach Art der Verzinsung, unterscheidet man Anleihen in fest verzinsliche Wertpapiere, sogenannte Floater, und strukturierte Wertpapiere. Bei diesen ist die Höhe der Zinszahlung von folgenden Ereignissen abhängig:

  • Wachstumsraten und bestimmte Kursstände von Aktienindizes
  • Umfang der Tilgung einer strukturierten Anleihe

Der Anleihenkurs wird in Prozent des Nominalwerts angegeben, das heißt konkret:

Wird eine Anleihe zum Beispiel zu 103 % gehandelt, muss der Käufer bei einem Nominalwert der Aktie von zum Beispiel 100 Euro, effektiv 103 Euro dafür bezahlen. Des Weiteren richtet sich der Einkauf an der Börse zusätzlich nach der Stückelung der Anleihe, die meist 1000 oder 50.000 Geldeinheiten (abhängig von der Währung der Anleihe) beträgt.

Zinsanspruch einer Anleihe

Der Zinsanspruch einer Anleihe wird auch als Kupon bezeichnet. Dies leitet sich aus der Zeit her, als Anleihen noch in gedruckter Form ausgegeben wurden. Zum Erhalt der Zinszahlung mussten an der Urkunde befindliche Marken (Kupons) beim Schuldner oder der Bank abgegeben werden. Der Vorgang der Ausgabe einer Anleihe wird mit als Begebung oder Emission bezeichnet.

Die verschiedenen Arten von Anleihen

Infografik Bestand des erweiterten Anleihekaufprogramms der EZB von März 2015 bis Dezember 2016

Infografik: Bestand des erweiterten Anleihekaufprogramms der EZB von März 2015 bis Dezember 2016. Grafikquelle: Eigene Darstellung

Anleihe ist nicht gleich Anleihe – auch hier gibt es signifikante Unterschiede. Ein umfassender Überblick klärt auf:

  • Standard-Anleihe: (Auch Festzinsanleihen oder auch Straight Bonds genannt). Sie bietet dem Anleger eine feste Verzinsung (Kupon) über die gesamte Laufzeit. Sie ist eine der häufigsten Anleiheformen.
  • Nullkupon-Anleihe (Zerobond): hierbei handelt es sich um eine Anleihe, die ohne Zinskupon ausgestattet ist. Der Anleger verdient bis zum Laufzeitende an der Differenz zwischen Rückzahlungskurs und Emissionskurs. Der Emittent gibt daher den Zerobond meist mit einem hohen Abschlag, also unter pari, das heißt unter dem Nennwert, und zahlt bei Fälligkeit die Anleihe zu 100 Prozent, also zu pari zurück.
  • Tilgungsanleihe (Auslosungsanleihe): Anleihen mit einem festen Kupon, deren Nennwert der Emittent allerdings nicht wie bei den Standard-Anleihe vollständig am Laufzeitende zurückbezahlt, sondern über einen bestimmten Zeitraum. Der Emittent legt in der Regel eine tilgungsfreie Zeit fest, danach wird regelmäßig verlost, welcher der Anleihen-Inhaber sein Geld zurückbezahlt bekommt.
  • Annuitäten-Anleihe: Es handelt sich dabei um eine Anleihen-Art, bei der der Emittent die Rückzahlung in gleichen Beträgen bis zum Laufzeitende vornimmt. Die Rückzahlungsbeträge errechnen sich sowohl aus dem Kupon als auch einem Teil der Tilgung.
  • Perpetuals: Eine Sonderform der Anleihen sind die Perpetuals, oder Anleihen ohne Laufzeitbegrenzung (Immer-Währende-Anleihen). Der Emittent, meist ein Staat, zahlt (tilgt) das eingesetzte Kapital nie zurück. Der Anleger profitiert ausschließlich durch die Zinszahlungen (Kupon). Perpetuals waren eine beliebte Anleihenform in Frankreich nach der Französischen Revolution.
  • Zero-Perpetuals: Eine Kombination aus Nullkuponanleihen und Perpetuals. Der Emittent zahlt den eingesetzten Betrag nie zurück, einen Kupon gibt es nicht. Der Anleger verschenkt quasi sein Kapital.
  • Floater: Anleihe mit variablem Nominalzins – Anleihen, die den Anleger vor Zinsveränderung schützt, sind Anleihen mit einer variablen Verzinsung (Floating Rate Note). Die Verzinsung wird während der Laufzeit dem Kapitalmarktzins angepasst. Dabei orientiert sich der Emittent an den Geldmarktsätzen wie dem LIBOR (London Interbank Offered Rate) oder dem europäischen Referenzzinssatz EURIBOR (European Interbank Offered Rate). Bei einigen Varianten orientiert sich der Zinssatz auch an den Renditen von kurzfristigen Schuldverschreibungen wie Schatzwechsel oder T-Bills oder an Indikatoren wie die Inflationsrate. So genannte Floors sind Anleihen mit variablem Zinskupon und einer Zinsuntergrenze. Caps sind mit einer Zinsobergrenze ausgestattet. Als Variante sind die Mini-Max-Floater sowohl mit einer Zinsobergrenze als auch mit einer Zinsuntergrenze ausgestattet.
  • Stufenzinsanleihen: Steigt der Zins mit der Laufzeit, wobei der Emittent die so genannte Zinstreppe vor Laufzeitbeginn festlegt, so wird dies Stufenzinsanleihe genannt. Das bekannteste Beispiel ist der Bundesschatzbrief.
  • Anleihen mit Step-Up-Kupon: Ein wichtiger Einflussfaktor auf Kursentwicklung und Rendite ist die Bonität. Anleger können sich vor Veränderungen der Bonität durch Anleihen mit Step-Up-Kupons schützen. Bei diesen Anleihen orientiert sich die Höhe der Zinszahlung an den Bonitätseinstufungen (Ratings) von Rating-Agenturen wie Moody’s, Standard & Poor’s oder Fitch. Verändert sich das Rating des Emittenten oder der Anleihe während der Laufzeit, steigt oder fällt jeweils der Zins-Kupon.
  • Inflationsgebundene Anleihe (Inflation-Linked-Bond): Eine steigende Inflation führt in der Regel zu einem Anstieg der Kapitalmarktzinsen. Das kann die Anleihenkurse unter Druck setzen. Inflationsgebundene Anleihen bieten dem Anleger einen Schutz gegen das Inflationsrisiko. Bei diesen Anleihevarianten wird der Nominalwert innerhalb eines bestimmten Zeitraums der Inflation entsprechend angepasst. Zur Orientierung dient in den meisten Fällen der Consumer Price Index oder entsprechende Indizes.

Kurs-Schwankungen von Anleihen

Infografik Rendite für zehnjährige Staatsanleihen ausgewählter Länder im Dezember 2016

Infografik: Rendite für zehnjährige Staatsanleihen ausgewählter Länder im Dezember 2016. Grafikquelle: Eigene Darstellung

Anleihen werden wie Aktien, Optionsscheine oder Zertifikate notiert und unterliegen damit auch vergleichbaren Kursschwankungen. Anders als Aktien werden die Kurse einer Anleihe in Deutschland in Prozent notiert. Dieser bezieht sich, wie weiter oben beschrieben, auf den Nominalwert der Anleihe. Steigt das Niveau des Kapitalmarktzinses, sinken die Kurse für die Anleihen. Denn die Nachfrage nach diesen Anleihen lässt nach, weil die neu emittierten Anleihen einen hohen Nominalzins haben und daher für den Anleger attraktiver sind. Auf der anderen Seite steigen die Kurse der Anleihen bei einem sinkenden Kapitalmarktzins.

Restlaufzeiten beachten

Weisen Anleihen desselben Emittenten mit einem identischen Zinskupon ein unterschiedliches Kursniveau auf, so kann das an unterschiedlichen Restlaufzeiten liegen. Je mehr sich die Anleihe dem Tag der Rückzahlung nähert, umso mehr gleicht sich der Börsenkurs dem Nennwert bzw. dem Rückzahlungsbetrag der Anleihe an. Neben einem Kurs- und Zinsrisiko besteht auch die Gefahr, dass ein Emittent (Schuldner) seinen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen kann und Zinsen oder sogar das geliehene Kapital nicht zurückzahlen kann. Durch Gerüchte, Abstufungen des Ratings (Kreditwürdigkeit) oder tatsächliche Zahlungsausfälle kann es zu dramatischen Kurseinbußen kommen. Auf der anderen Seite kann eine Verbesserung der Kreditwürdigkeit zu einem Anstieg der Anleihekurse führen.

Vorteile von Anleihen

  • Risikoarme Wertzuwächse
  • Geringe Volatilität
  • Geringe Korrelation zu Aktien

Ein alter Spruch sagt: Wer gut essen will, kauft Aktien. Wer gut schlafen will, erwirbt Anleihen. Tatsächlich können Renten dem Anleger recht risikoarme kontinuierliche Zinserträge und die Aussicht auf Wertzuwächse während ihrer Laufzeit bringen.

Anleihen eignen sich für Anleger, die auf ein stabiles Depot Wert legen. Die Schwankungsfreudigkeit (Volatilität) ist in den meisten Fällen deutlich geringer als bei Aktien. Häufig entwickeln sich Aktien und Anleihen gegenläufig. Fallen die Aktien, steigen die Anleihekurse oder umgekehrt. Aufgrund der geringen Korrelation zwischen beiden Anlageklassen, eignen sich Anleihen sehr gut zur Stabilisierung des Depots und Verteilung der Risiken.

Nachteile von Anleihen

  • Begrenzte Rendite-Chancen
  • Kein Stimmrecht
  • Kursverluste während der Laufzeit möglich
  • Bonitätsrisiko
  • Inflationsrisiko
  • Steuerliche Benachteiligung gegenüber Aktien

Die Rendite-Chancen sind auf den Zinskupon und die Kursgewinne während der Laufzeit beschränkt. Darüber hinaus sind keine Gewinne möglich. Bei Unternehmensanleihen besitzt der Anleger kein Stimmrecht wie die Aktionäre. Ganz ohne Risiken sind allerdings auch die Anleihen nicht. So können während der Laufzeit natürlich auch Kursverluste eintreten. Daneben besteht ein Bonitätsrisiko des Emittenten und indirekt wird der Anleihenkurs durch den Verlauf der Inflation (Teuerungsrate) beeinflusst.

Anleihen-Anleger sind steuerlich gegenüber den Aktionären benachteiligt. Nach Ausschöpfung des Sparerfreibetrags unterliegen alle Zinseinnahmen einschließlich Stückzinsen der Einkommenssteuer. Die Dividenden werden nur nach dem Halbeinkünfteverfahren veranlagt. Da bleibt unter dem Strich mehr übrig als bei der Versteuerung der Zinseinnahmen.

Bekannte Risiken bei Anleihen

Infografik Umlauf von Unternehmen von Emittenten mit Sitz in Deutschland in den Jahren 1999 bis 2015

Infografik: Umlauf von Unternehmen von Emittenten mit Sitz in Deutschland in den Jahren 1999 bis 2015. Grafikquelle: Eigene Darstellung

Anleihen werden zwar allgemein als sichere Anlage angesehen, doch auch bei den Rentenpapieren lauern ernstzunehmende Risiken:

  • Ausfall/Bonitätsrisiko
  • Zinsänderungsrisiko
  • Inflationsrisiko
  • Kündigungs-/Auslosungsrisiko
  • Währungsrisiko

Ausfallsrisiko/Bonitätsrisiko

Berechnungen mit Diagrammen und Charts

Auch Anleihen bergen ein gewisses Risiko! Bildquelle: Wolfilser – 486737443 / Shutterstock.com

Nicht zuletzt durch Argentinien ist es bekannt, dass ein Schuldner, also der Emittent einer Anleihe, in Zahlungsverzug kommen kann oder sogar zahlungsunfähig wird. Unabhängige Agenturen überprüfen das Bonitätsrisiko mit einem Rating. Die bekanntesten Rating-Agenturen sind Moody’s, Standard & Poor’s und Fitch. Je schlechter die Bonität, umso höher das Ausfallsrisiko der Anleihe. Schuldner mit schlechter Bonität müssen daher dem Anleger einen höheren Kupon bieten, der als Risikoprämie gilt. Anleihen mit einer sehr schlechten Bonität werden auch als Junk Bonds (Schrottanleihen) oder High Yield Bonds (Hochzinsanleihen) bezeichnet.

Zinsänderungsrisiko

Anleihenkurse unterliegen einer starken Abhängigkeit von den Veränderungen des Marktzinses. Während der Emittent die Anleihe am Ende der Laufzeit immer zum Nennwert, also 100 Prozent des Nennwerts, zurückzahlt, kann der Marktzins den Kurs der Anleihe während der Laufzeit in die eine oder andere Richtung beeinflussen. Das ist relevant für Anleger, die ihre Anleihe vor dem Laufzeitende verkaufen müssen oder auf Kursgewinne spekulieren. Kommt es zu einem starken Anstieg des Marktzinses, kann der Anleihenkurs unter Umständen auch unter den Nennwert von 100 Prozent sinken, also unter pari. Muss der Anleger dann verkaufen, macht er theoretisch Verluste.

Der Zinssatz ist der wichtigste Parameter zur Bewertung einer Anleihe. Der Wert der Anleihe sinkt, wenn der Zinssatz steigt. Denn Anleger können die Rückzahlungsbeträge (Kupon und Tilgung) zum neuen, attraktiveren Zinssatz anlegen. Die Kursänderung und die Rendite-Veränderung sind gegenläufig.

Inflationsrisiko

Das Inflationsrisiko bezeichnet die Unsicherheit über die reale Höhe der zukünftigen Zinszahlungen. Die so genannte reale Rendite entspricht die der vom Emittenten gezahlten Rendite abzüglich der Inflationsrate. Steigt die Inflationsrate, sinkt die reale Rendite, und umgekehrt.

Tatsächlich kann der Anleger den Einfluss der Inflation auf seine Anlage reduzieren, indem er inflationsindexierte Anleihen kauft, die den Einfluss der steigenden Teuerungsrate reduziert. Diese Anleihen werden bisher ausschließlich von Staaten wie Frankreich oder USA ausgegeben.

Kündigungsrisiko/Auslosungsrisiko

Es gibt Anleihen, bei denen Schuldnerkündigungsrecht oder eine Auslosung der Tilgung vereinbart ist. Nimmt der Emittent sein Recht in Anspruch, erhält der Anleger bereits vor Ablauf der Laufzeit sein eingesetztes Kapital zum Nennwert zurück.

Währungs-/Wechselkursrisiko

Neben den Anleihen deren Nominalwährung in Euro zurückgezahlt wird, gibt es auch so genannte Fremdwährungsanleihen. Wegen der Möglichkeit von Wechselkursschwankungen schließt eine Fremdwährungsanleihe natürlich ein Wechselkursrisiko ein. Sinkt die Nominalwährung gegenüber dem Euro, so muss der deutsche Anleger Währungsverluste hinnehmen, steigt die Nominalwährung gegenüber dem Euro, so kann er Währungsgewinne verbuchen.

Bei einigen Anleihen ist die Nominalwährung, also die Währung der Anleihe, die der Emittent bei Laufzeitende zurückzahlt, nicht mit der Kuponwährung identisch. Dort muss der Anleger auf die Entwicklung beider Devisenkurse achten.

 

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Wolfilser – 486737443 / Shutterstock.com